Aus der Geschichte des Marktes BAD ZELL

835 übergab Graf Wilhelm mit einer Schenkungsurkunde seinen Besitz, der zwischen Aist und Naarn, bzw. von der Donau bis zum "Nortwald" (Urwald) reichte, dem Kloster St. Emmeran in Regensburg.
Nach der Rodung des Urwaldes entstanden eine Anzahl Höfe von großem Ausmaß, wie Aich, Hirtlhof, Lanzendorf, Habichriegl, Maierhof und Zellhof. Ein solcher Hof mit großem Grundbesitz lag auch im heutigen Marktbereich. Bei diesem Hof wurde schon im 11. Jhdt. ein kleines Kirchlein (Celle) erbaut. Darnach wurde auch der Hof benannt: "Hof daz Celle".
Hier führte der älteste Verkehrsweg vorbei, ein Saumpfad, der von der Donaugegend nach Zell herein und von da weiter nach Norden führte. Diese Lage war ausschlaggebend für eine planmäßige Gründung und Anlegung des Marktes Zell im 12. Jhdt. Häufig wechselten die Besitzer von Zell, von den Tannböcks zu den Walchen über die Prager zu den Jörgern.
Schon 1440 erhielt Zell viele Rechte und Freiheiten, wie das Marktrecht und die Gerichtsbarkeit oder das Vorrecht für den Salzhandel.
Die Herrschaft Zell wurde vom Marktrichter verwaltet, dem nicht nur die Übertragung des Besitzes der Bürgerhäuser und Bauernhöfe oblag. Er hatte auch die Steuern und den Zins von den einzelnen Häusern einzuheben.
Aus dieser Zeit stammt auch der Pranger (1574) mit dem einzigen in Oberösterreich erhaltenen Prangermanderl "Roland".
Im Jahre 1534 wurde das bisher innegehabte Wappen und Siegel neu bestätigt.
Im 17. Jhdt. brachen über Zell allerlei Heimsuchungen herein. So gab es in der Gegend von Zell ein gewaltiges Erdbeben, wenige Jahre hernach kam der Bauernkrieg, und plündernde Truppen suchten Zell heim.
Im Jahre 1614 forderte eine schwere ansteckende Krankheit ziemlich viele Opfer. Noch schlimmer war das folgende Jahr. Feuer brach im Markt aus. Ein unvorsichtig abgegebener Büchsenschuß war die Ursache des verheerenden Brandes; 35 Häuser brannten nieder, wobei 5 Personen den Tod in den Flammen fanden.
Auch der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) brachte für Zell eine Menge neuer Lasten. Der Glaubenskrieg machte auch vor Zell nicht halt, und die Zeller Gegend wurde mit Gewalt lutherisch und ein Stützpunkt des Luthertums.
1624 jedoch wurde der letzte lutherische Pfarrer und der letzte lutherische Schulmeister aus Zell verjagt. Zell wurde wieder katholisch.
1626 brach der letzte Bauernkrieg aus. Große Bedeutung erlangten in dieser Zeit die Herrschaften von Prandegg und Zellhof.
In der Nacht zum 31. Mai 1653 brannte der ganze Markt Zell nieder. Eine fürchterliche Krankheit raffte im Jahre 1684 ein Fünftel der Zeller Bevölkerung dahin. 270 Personen starben in diesem Jahr in der Pfarre Zell.
AmBeginn des 18. Jhdts. (1730) erlebte Zell einen der größten Hexenprozesse des Landes, den Prozeß gegen die "Wagenlehner-Hexe".
1815 wurde für das Pfarramt Zell ein neues Amtssiegel angeschafft, das zum erstenmal die Ortsbezeichnung "Zell bei Zellhof" trug.
Das große Revolutionsjahr 1848 mit seinem gewaltigen Eingreifen in die alte Ordnung, besonders der Aufhebung der Herrschaften, der Befreiung der Bauern von Zehent und Frondienst, brachte auch für Zell eine bedeutsam Umwälzung.
Im ersten Weltkrieg (1914 -1918) gab es 89 Gefallene und Vermißte in der Marktgemeinde Zell.
In der Zeit zwischen den zwei Weltkriegen litt die Zeller Bevölkerung unter Nachkriegsnot und Inflation.
1920 wurde im Ort die elektrische Beleuchtung eingeführt.
Die Dreißigerjahre waren in Österreich gekennzeichnet von wachsenden politischen Gegensätzen und neuerlicher wirtschaftlicher Not. Viele Arbeitnehmer fanden keine Beschäftigung oder wurden entlassen und erhielten auch keine Arbeitslosenunterstützung.
Der zweite Weltkrieg mit seinen furchtbaren Ereignissen forderte wiederum viele Entbehrungen. 153 Männer fielen im Krieg oder sind bis heute noch vermißt.
Bei Beendigung des Krieges lebten die Zeller in ständiger Angst vor Übergriffen durch die russische Besatzungsmacht und in der Sorge um das tägliche Brot.
Allmählich begann sich die allgemeine wirtschaftliche Lage zu bessern, es kam die Zeit der Vollmotorisierung und Vollmechanisierung, nicht nur in der Industrie und im Handel, sondern auch in der Landwirtschaft und im Haushalt.
Als endlich 1955 Österreich den Staatsvertrag erhielt und der letzte russische Besatzungssoldat das Mühlviertel verließ, begann ein Bauboom, wie es ihn noch nicht gegeben hatte. Da es in und um Zell bei Zellhof kaum größere Betriebsansiedlungen gab, mußten viele Leute zur Arbeit nach Linz (vor allem zur VOEST und Chemie Linz) auspendeln.
Einen besonderen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr Zell bei Zellhof mit dem Bau des Radon-Heilbades und mit der neu zu schaffenden Infrastruktur. Der Ort wurde in "BAD ZELL" umbenannt und zählt jetzt mit seinen 2.800 Einwohnern zu den bekanntesten Kurorten des Landes.

 

Aus der Geschichte des Schützenvereines Bad Zell

Der Schützenverein Bad Zell ist Mitglied des OÖ. Landesschützenverbandes und gehört dem Allgemeinen Sportverband an. Der Vereinsvorstand besteht aus dem jeweils gewählten Oberschützenmeister, dem 1. Schützenmeister und dem 2. Schützenmeister, dem Kassier und den Schützenräten.
Das Gründungsjahr der "Schützengilde Zell bei Zellhof" läßt sich nicht genau feststellen, jedoch geht aus dem Schloßarchiv Greinburg aus dem Jahre 1702 hervor, daß der Herrschaft Prandegg 31 namentlich erwähnte Schützen angehörten. Mit Sicherheit kann festgestellt werden, daß 1881 eine "Schützengilde Zell bei Zellhof" bestanden hat. Um das Jahr 1883 wurde im ehemaligen Brauhaus mit der Armbrust geschossen.
Während des 1. Weltkrieges ist der Schießbetrieb eingestellt worden. Erst 1920 ging man daran, die einstige Schützengilde neu zu organisieren. Ein großes Preisschießen mit Kapselgewehren fand 1925 mit großem Erfolg statt. Beim Tiefschußbest waren 1 Million Kronen, beim 1. Kreisbest 600.000 Kronen zu gewinnen.

1938 wurde der Schießbetrieb wiederum eingestellt, 1947 wieder aufgenommen., es wurde jedoch wegen der russischen Besatzung bis 1948 kein Schütze namentlich bekanntgegeben. Leider sind in dieser Zeit sämtliche schriftlichen Unterlagen für die Chronik verlorengegangen. Erst seit 1953 wurden die wichtigen Ereignisse der Schützengilde wieder schriftlich festgehalten.
Von 1953 bis 1960 fand der Schießbetrieb im Gasthaus Horner statt. Der Verein verfügte über zwei Kapsel- und zwei Luftgewehre.
Geschossen wurde vom Gastzimmer in die Küche. Nach jedem Schießen mußte die gesamte Anlage wieder weggeräumt werden.
1955 wurde die Schützengilde Zell bei Zellhof mit 24 Mitgliedern in den Schützenverein Perg aufgenommen. Damit begann für Zell auch das wettkampfmäßige Schießen mit dein Luftgewehr. 1967 wurde die Schützengilde Zell bei Zellhof ein eigener Schützenverein, der in den Schützenbezirk Freistadt eingereiht wurde.
Schützenmeister Erich Hiehs wurde 1969 zum Bezirksschützenmeister des Bezirkes Freistadt gewählt. Es war dies eine Anerkennung für seine unermüdlichen Bemühungen um den Schießsport.
Nach jahrelanger Schützenlokalmisere plante der Schützenverein 1970 den Bau eines Schießplatzes und eines Schützenhauses.
1973 veranstaltete der Schützenverein Zell bei Zellhof sein 1. Schwarzpulverschießen mit Vorderladerwaffen.
Mit der Umbenennung des Marktes Zell bei Zellhof in "BAD ZELL" erhielt auch der Schützenverein 1976 einen neuen Namen und heißt seitdem "SCHÜTZENVEREIN BAD ZELL".
1978 wurde die Baubewilligung für das Schützenhaus und für die Schießstätte erteilt.

Seit 1985 ist Dir. Helmut Golda Obmann des Schützenvereines Bad Zell.
Ihm oblag die Fortsetzung der begonnenen Bauarbeiten sowie die Schaffung idealer Wettkampfbedingungen für die Luftgewehrmannschaften und das Vorderladerteam. Durch die Förderung des Amtes der o.ö. Landesregierung sowie der Marktgemeinde Bad Zell, durch die Unterstützung des Allgemeinen Sportverbandes Österreichs und der enormen Eigenleistungen der Mitglieder des Schützenvereines wurde durch Einsicht, Entgegenkommen und Fleiß aller Beteiligten eine wunderschöne vereinseigene Sportstätte geschaffen.

Das Schützenhaus weist typische Merkmale eines Mühlviertler Hofes auf. Im 1. Stock werden auf 16 Ständen Luftgewehr- und Luftpistolendisziplinen geschossen.
Der Schießplatz bietet 8 Stände für 100 m-, 8 bis 12 Stände für 50 m- und 15 Stände für 25 m-Disziplinen.

Eine besondere Auszeichnung und Ehre war es für den Schützenverein Bad Zell, daß er die 5. Europameisterschaften für Vorderladerwaffen vom 23. bis 28. August 1993 organisieren und durchführen durfte.