Ausgabe 1202
Jahresrückblick mit Erfreulichem
und weniger Erfreulichem

Wer freut sich nicht gerne am Ende eines Jahres, wenn es ein erfolgreiches war. Auch wir von der ÖsterreichischenSchützenzeitung gehören dazu, weil wir entweder selbst Schießsportler sind oder in diesem Sport eigenverantwortlich mitarbeiten. Das schießsportliche Geschehen hat uns, was die Ergebnisse betrifft, viele Erfolgserlebnisse gebracht und zu Jahresbeginn gleich mit einer EM-Silbermedaille der Salzburger LP-Juniorin Sylvia Steiner überrascht. Während sich danach beim Weltcup in Sydney und in Shanghai Mario Knögler mit einem Sieg und zwei dritten sowie Wolfram Waibel jun. mit einem vierten Platz zu Wort gemeldet hatten, machten Alois Fink und Christian Planer beim IWK der zweiten Garnituren in Komarom, Ungarn, mit Siegen auf sich aufmerksam.
Mario Knögler konnte sich über seinen Weltcupsieg in Sydney in zweifacher Hinsicht freuen: erstens wieder eine Weltcupkonkurrenz gewonnen und zweitens für Osterreich den ersten Olympia-Quotenplatz errungen zu haben. Der darauf in den Freudenbecher folgende Wermutstropfen musste aber umso bitterer schmecken, als er vom ÖSB wegen des regelbedingten Umstandes, für Osterreich keinen Quotenplatz mehr erzielen zu können, für den Weltcup in Atlanta, USA, nicht mehr berücksichtigt wurde.
Beim nächsten Weltcup in Mailand folgte aber die sportliche Antwort auf dem Fuß: Sieg in 3x40 und 2. Platz 60 Liegend. Für ein lachendes und zugleich weinendes Auge anderer Art sorgte in Mailand Monika Haselsberger: nämlich mit der LG-Bronzemedaille und dem mit 0,1..Punkten denkbar knappsten Verfehlen des zweiten olympischen Quotenplatzes für Osterreich.
Auch in einer anderen schießsportlichen Disziplin gab es in Italien großartige Erfolge: Goldmedaillen bei der Vorderlader-WM in Lucca für Margit Staller und den Verwalter der ÖSZ Leopold Plattner, Silber für Andreas Gassner und einmal Silber und dreimal Bronze in den Mannschaftsbewerben.
Die ISSF-Weltmeisterschaft in Lahti, Finnland, war vorher jener Ort, wo sich gleich mehrere Schützinnen und Schützen zur Ehre Osterreichs in die Erfolgslisten eintragen ließen: Wolfram Waibel jun. als LG-Neunter mit dem zweiten Quotenplatz für Athen 2004, die Gold-Mannschaft Standardpistole mit Giovanni Bossi, Heinz Költringer und Karl Pavlis plus Giovanni Bossi mit seiner Bronzemedaille im gleichen Bewerb sowie die LG-Juniorin Christina Deiser ebenfalls mit Bronze. Zudem wurde Karl Pavlis beim CISM-Regionalturnier in Ankara als Best Shooter ausgezeichnet.
In den IPSC-Bewerben eine Klasse für sich ist die dreifache Europameisterin Ing. Gabriele Kraushofer. Nur wenige Monate nach einem schweren Motorradunfall gelang ihr das Kunststück, bei der Weltmeisterschaft in Südafrika das Bronzepodest im Frauenbewerb zu erklimmen, nachdem Albert Steinmüller bei den Supersenioren Gold erzielt hatte.
Den Schießsport ebenfalls noch nicht lassen können die beiden Senioren Hermann Sailer, Tirol, und Horst Halder, Vorarlberg, die im Herbst den weiten Weg zu den World Masters Games nach Australien nicht scheuten. Dreimal Gold für den Tiroler plus je einmal Gold und Bronze für den Vorarlberger war die sportliche Ausbeute der beiden Österreicher.
Im gleichen Atemzug verdienen auch die Mannschafts-Goldmedaillen von Barbara Doppler, Hubert Aufschnaiter und Oskar Kreuzer bei der Behinderten-WM erwähnt zu werden.
Und in der Dezember-Ausgabe zieren die Erfolge der PPC-1500-Schützen bei der Indoor-Weltmeisterschaft die Titelseite.
Für die Disziplinen Wurfscheibe, Silhouette, Laufende Scheibe und SGKP hat es heuer für eine Titelgeschichte nicht gereicht, wiewohl ihr Sport mit Berichten im Blattinneren immer wieder vorkommt.
Schauen, was das nächste Sportjahr bringt.
Leider etwas nachdenklich hat uns das peinliche Durcheinander bei der Armbrust EM in Thaon, Frankreich, gestimmt (siehe ÖSZ 10/2002). Durch unkoordiniertes Funktionärsverhalten sind in Thaon vor allem die 10-m-Bewerbe und die Junioren zum Handkuss gekommen, weil den Wettkämpfen wegen einer von Ländervertretern korporativ inszenierten Verletzung von IAU-Regeln der Status einer Europameisterschaft aberkannt wurde. Man kann nur hoffen, dass sowohl den schuldlosen Sportlern als auch den schuldtragenden Funktionären Gerechtigkeit im umfassenden, aber auch übertragenen Sinn des Wortes widerfährt.
Zum Abschluss wollen wir nicht verschweigen, dass die Wiedergabe eines Leserbriefes in der Novemberausgabe, der ebenfalls im Zusammenhang mit Regelfragen stand und in dem vermeidbare Kraftausdrücke verwendet wurden, für Aufregung im Großkaliberbereich gesorgt hat. Das Ausmaß und die Ernsthaftigkeit der Empörung ist noch nicht absehbar, sie wurden aber - noch nicht Stellung nehmend - vom Bundessportleiter für das Sportliche Großkaliberschießen mit Faustfeuerwaffen (SGKP FFW) zum Ausdruck gebracht und durch die Stellungnahme des burgenländischen Landesoberschützenmeisters (siehe Seite 23) bereits relativiert.
Trotz allem hat im österreichischen Schießsport das Erfreuliche bei weitem überwogen und wir blicken mit den besten Glückwünschen für unsere Leserinnen und Leser voll Zuversicht in das Sportjahr 2003.

heb