Ausgabe 1109
Armbrust in Österreich am Tiefpunkt?

Tiefer geht es mit dem heimischen Armbrustsport eigentlich nicht mehr. Gemeint ist die Disziplin „Match“, denn „Field“ existiert ja seit Jahren nur in einer ganz kleinen Gruppe und praktisch außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung.

Seit rund zehn Jahren muss man als Schießsportinteressierter beobachten, wie es mit der Match-Armbrust etappenweise bergab geht. Ein kleines Beispiel dafür ist die Art, wie es zum Rücktritt des erst im heurigen Frühjahr in einer Kampf- und „Krampf“ -Abstimmung gewählten Bundessportleiters Josef Irsiegler gekommen ist. Ein in Oberösterreich erfolgreicher Armbrustfunktionär hat hier (siehe Leserbrief Seite 26) das Handtuch geworfen, noch bevor er seine Fachkenntnisse unter Beweis stellen konnte.

Josef Irsiegler war nach mehrfachen unrühmlichen Versuchen der Sportführung im ÖSB, ein „Wunschkind“ mit der Funktion Bundessportleiter Armbrust zu betrauen, selbst das Gegenteil von dem und hat möglicherweise einen entscheidenden Fehler gemacht. Nämlich gleich nach Amtsantritt zu verlangen, dass die seit der Weltmeisterschaft 2006 in Steyr offenen Verbindlichkeiten des Österreichischen Schützenbundes gegenüber den WM-Teilnehmern endlich beglichen werden. Es tut weh, wenn man hören muss, dass diesen Schießsportlern seit drei Jahren Aufwandsentschädigungen vorenthalten werden, die ein damals Verantwortlicher bei der ÖSB-Führung nicht ordnungsgemäß geltend gemacht hat.

In der Novemberausgabe der Österreichischen Schützenzeitung steht leider und unwidersprochen nur der Leserbrief des zurückgetretenen Bundessportleiters Josef Irsiegler. Die darin namentlich genannten ÖSB-Funktionäre haben die Gelegenheit, mit ihrer Sicht der Dinge zu Wort zu kommen, nicht wahrgenommen.

Was nicht ist, kann ja noch werden. Die ÖSZ wird die unrühmliche Angelegenheit mit den vorenthaltenen Aufwandsentschädigungen im Auge behalten und über den Ausgang gerne berichten. Am liebsten mit der Überschrift „Armbrustschützen mit Zins und Zinseszins endlich zu ihrem Geld gekommen!“ plus Hinweis, wem dieses „Kunststück“ gelungen ist. Wenn auf der Titelseite Cornelia Enser mit ihrer EM-Bronzemedaille 2009 steht, dann gilt das an erster Stelle als Dank an sie, dass sie als Mannschaftsjüngste für Österreich die Kastanien aus dem Feuer geholt hat. Dem heimischen Armbrustsport bleibt zu wünschen, dass es, wo der Gegenkandidat von Josef Irsiegler mit am Ruder ist, wieder bergauf geht und man an die erfolgreiche und unbeschwerte Zeit aufschließen kann, die wir bis zur Weltmeisterschaft 1996 in Blintendorf (Kärnten) unter Karl Marschnig erlebt haben.

heb