Ausgabe 1107
Frauen im Schießsport

Das Thema musste wieder einmal auf den Tisch. Wie in den vergangenen Jahren sind es Anlässe, die es notwendig erscheinen lassen, die Problematik zur Sprache zu bringen. An dieser Stelle vorerst aus der Sicht der Organisation des Sports.

Die Präsidentin der ASKÖ Wien Beate Schasching hat in einer Presseaussendung vor kurzem aufgezeigt, dass Frauen zwar als aktive Sportlerinnen und als Mitglieder in Sportvereinen annähernd gleich stark wie Männer vertreten seien, auf Funktionärs- und Führungsebene wie auch in den Sportredaktionen (!) der Frauenanteil nur einen geringen Teil ausmache. Ganz krass komme dies zum Ausdruck, wenn man vergleicht, dass Frauen zwar 41 Prozent der Mitglieder in Sportvereinen darstellen, aber nur vier der zahlreichen österreichischen Fachverbände und nur zwei Landesverbände von Frauen geleitet werden.

Wie die Österreichische Schützenzeitung in ihrer Oktoberausgabe berichtet hat, bemängelt Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka, dass die österreichischen Sportstrukturen keineswegs frauenfreundlich seien und es seine Absicht sei, die Integration der Frauen stärker zu fördern. Schließlich sei die männlich dominierte Sportkultur bereits im Jahre 1999 in einer Studie der Bundes-Sportorganisation aufgezeigt worden, ohne dass sich seither viel getan habe.

Vergleicht man dazu die Situation im österreichischen Schießsport, dann ergibt sich ein ähnliches Bild. Vor Jahren gab es zum Beispiel Absichtserklärungen der Führungsetage, nach der Bereitstellung von zusätzlichen finanziellen Mitteln etwas zu tun – mit dem Ergebnis, dass einige Frauen mehr zu internationalen Wettkämpfen entsendet wurden, in der Struktur sich aber kaum etwas geändert hat. Die Förderung des weiblichen Nachwuchses wurde sogar jahrelang blockiert, indem man den Seniorinnen die wettkampfmäßige Betätigung in eigenen Klassen verwehrte und sie somit indirekt zum Antreten in der (jüngeren) Frauenklasse oder zum Aufhören zwang. Die in Einzelfällen ungehörte Kritik an der Entsendung von Frauen zu internationalen Wettkämpfen hat bis in die Gegenwart dazu beigetragen, das Misstrauen in die männerdominierte Führung aufrechtzuerhalten.

Was könnte also zur Verbesserung der Situation der Frauen im österreichischen Schießsport getan werden?

Ein Blick über die Grenzen (siehe Seite 27) zeigt uns, was man in Deutschland schon seit Jahren macht. Dort gibt man den Frauen die Möglichkeit, sich sowohl im Deutschen Schützenbund als auch auf den darunterliegenden Ebenen selbst zu organisieren. Warum nicht auch in Österreich? Ein Impulsreferat der deutschen Bundesfrauenbeauftragten Renate Koch bei der nächsten Bundeshauptversammlung des ÖSB (mit Einladung von Frauen aus unseren neun Landesverbänden) wäre ein erster Schritt in diese Richtung.

heb