Ausgabe 1006
Öffentlichkeitsarbeit im Schießsport

Für oder gegen die Öffentlichkeit des Schießsports: ein viel diskutiertes Thema, das je nach Interessenlage zu sachlichen und auch unsachlichen Diskussionen führt. Ein Beispiel für unterschiedliche Betrachtungsweisen könnte die auf Seite 4 wiedergegebene Presseaussendung des österreichischen Weltklasseschützen Christian Planer sein.

Christian Planer beschreitet, was die Öffentlichkeitsarbeit betrifft, seit einiger Zeit neue Wege. Indem er die Dienste einer Medienagentur in Anspruch nimmt, muss er bei seinen Bestrebungen, in die Presse zu kommen, nicht erst warten, bis jemand anderer aus dem Kreis hiezu Berufener die Initiative ergreift. Auf das bevorstehende Ereignis des Weltcupfinales macht er in einer Art aufmerksam, die sympathisch wirkt und das Interesse sowohl auf ihn selbst als auch auf den österreichischen Schieß-sport lenkt. Dass er sich damit einem zusätzlichen Leistungsdruck aussetzt, nimmt er in Kauf.

Seit einiger Zeit ähnlich aktiv ist die mehrfache IPSC-Europa- und Weltmeisterin Gabriele Kraushofer, die in ihrem Ehemann Roland Kraushofer eine medienerfahrene Unterstützung hat.

Bei Neigung zu gegensätzlicher Betrachtung werden manche sagen, dass Christian Planer und Gabriele Kraushofer eine solche Selbstvermarktung nicht notwendig hätten. Berührungsängste mit der medialen Selbstdarstellung könnten ein Grund dafür sein. – Im Individualfall muss es aber jedem unbenommen bleiben, selbst zu handeln oder zu warten, bis von anderer Seite etwas unternommen wird.

Ein anderes Kapitel ist die Darstellung der schießsportlichen Aktivitäten und der Traditionsarbeit eines Vereins, einer Gilde, eines Schützenbezirks, eines Landesverbandes oder eines Verbandes wie es zum Beispiel der Österreichische Schützenbund ist. Hier geht es um die Verpflichtung, im Interesse seiner Institution und ihrer Mitglieder zu handeln. Im österreichischen Schießsport meistens unbezahlt und nicht selten auch unbedankt. Trotzdem wird die Medienarbeit in vielen Vereinen und Verbänden zunehmend aktiver und besser betrieben.

Die Österreichische Schützenzeitung nimmt auf dem Mediensektor eine eigene – allgemein gesehen sicherlich untergeordnete – Stellung ein. Sie richtet sich in erster Linie an die schießsportinteressierte Leserschaft und bietet auch Schießsportarten Veröffentlichungsmöglichkeiten, die nicht im Österreichischen Schützenbund organisiert sind. So findet man in der Oktoberausgabe neben dem erstmaligen Bericht über ein Bogenturnier in Schattendorf auch Ausschreibungen für ein Schießen mit Ordonanzgewehren im Burgenland und ein K.u.k. Offiziersschießen in Wien.

In der Juniausgabe 2006 hat die Österreichische Schützenzeitung ihre Leser auf zwei Lehrgänge aufmerksam gemacht, die in Matzendorf-Hölles bei einem renommierten niederösterreichischen Schießsportverein, also in der Region Österreich der IPSC, von einem deutschen IPSC-Trainer für IPSC-Gewehr und IPSC-Flinte abgehalten wurden. Weil die Österreichische Schützenzeitung dies nach Ansicht des Regionaldirektors der IPSC Region Österreich ohne Zustimmung des dortigen Vorstands unter dem eigenen Logo nicht hätte tun dürfen, wurde von ihm das Pauschal-Abonnement für IPSC-Mitglieder fristlos gekündigt. – Ein zensurartiges Verständnis über Medienarbeit, zu dem wir von der um Stellungnahme gebetenen IPSC Region Österreich noch keine Antwort bekommen haben.

Die Mitglieder der IPSC Region Österreich werden die Österreichische Schützenzeitung bis Jahresende wie bisher zugestellt bekommen und die ÖSZ wird sowohl über Ereignisse als auch über das Für und Wider der öffentlichen Darstellung des IPSC-Gewehr- und -Flintenschießens in Österreich berichten.

heb