Ausgabe 1003
Einmal oben, einmal unten …

… und Sand im Getriebe. So könnte man die momentane Lage, aber auch die Stimmung in verschiedenen Bereichen des österreichischen Schießsports kurz beschreiben.

In Hochstimmung konnten wir in den letzten Wochen die Erfolge unserer Gewehrschützen genießen, als sie bei der Europameisterschaft und im Weltcup mit der ersten Garnitur neben Weltrekorden und Mannschaftstiteln auch noch mehrere Einzelmedaillen und - was besonders zählt - den dritten und den vierten Olympia-Startplatz für Österreich errungen haben. Auch die Ergebnisse der Pistolenschützen waren zufrieden stellend, und die zweite Garnitur hat sich auf den Nebenschauplätzen gut in Szene setzen können.

Im nicht olympischen Bereich haben die Vorderladerschützen bei ihrer Europameisterschaft dafür gesorgt, dass Österreich in den Ergebnislisten noch immer auf den vordersten Plätzen vorkommt. - Wie vor Jahren auch die Armbrustschützen.

Unser Armbrustsport ist aber - hoffentlich nur für kurze Zeit - weit unten angelangt. Nicht nur was die sportlichen Erfolge betrifft, sondern - was sich schon seit längerer Zeit abgezeichnet hat - auch im organisatorischen Bereich, der offenbar zu stark mit dem Geschehen auf internationaler Ebene verquickt war. Engstirnigkeit und Machtausübung mussten sich so auf die Stimmung unter den Sportlern und ihre Leistungen auswirken, deren Ausbeute bei der Weltmeisterschaft in Belgien eine Junioren-Bronzemedaille war.

Ein Hoffnungsschimmer könnten die Neuwahlen in der Internationalen Armbrust-Union sein, wo der unseren Lesern von seinen internationalen Berichten her bekannte Schweizer Schießsportjournalist Werner Hirt zum Präsidenten der IAU gewählt wurde. Mit seiner Erfahrung sollte es gelingen, die Uneinigkeit im Weltverband wie auch im eigenen Land zu beenden und dem Armbrustsport bessere Perspektiven zu eröffnen.

Österreich hat zwar sein Interesse an einer freien Führungsposition im Executiv Committee bekundet, sich aber im Interesse einer gedeihlichen Zukunft einer Kampfabstimmung für einen der beiden Vizepräsidenten nicht gestellt, weil es im Wahlvorschlag für Europa (Asien stellt einen eigenen Vizepräsidenten) erst an zweiter Stelle gereiht war. Im Technical Committee wird Thomas Lampl die österreichischen Farben vertreten.

Es bleibt also zu hoffen, dass der Sand aus dem Getriebe des Armbrustsports bald entfernt sein wird. Spätestens bis zum Jahre 2006, wo ja im oberösterreichischen Steyr die Armbrust-Weltmeisterschaften Match und Field stattfinden sollen.

Andererseits wird der Österreichische Schützenbund trachten müssen, dass bei den olympischen Disziplinen nicht zu viel Sand ins Getriebe kommt. Die unangenehmen Geräusche bekämen sonst die Aktiven zu spüren, deren Kopf für den Sport frei sein muss.

Was im Klartext heißen will: Die offenen Probleme müssen angepackt und dürfen nicht - wie in anderen Bereichen unseres Lebens praktiziert - nur "ausgesessen" werden.

Engstirnigkeit und falsche Machtausübung könnten sonst auch die in letzter Zeit so erfolgreiche olympische Sparte nach unten führen.

heb