Ausgabe 0906
Schöne Erfolge mit unangenehmer Begleitmusik

Durchaus sehen lassen kann sich die österreichische Erfolgsbilanz bei der Armbrust-Weltmeisterschaft in Steyr, die als 13. Weltmeisterschaft unter der Schirmherrschaft der IAU stand und für die Disziplinen Match und Field zum ersten Mal gemeinsam durchgeführt wurde.

Während Österreich mit der Field-Armbrust noch in den Kinderschuhen steckt und nur einen im Mittelfeld landenden Mann an den Start brachte, können wir in den Match-Disziplinen 10 Meter und 30 Meter auf eine lange Tradition und große Erfolge zurückblicken.

Gerade deshalb verwundert es, dass die Weltmeisterschaft in Steyr schon im Vorjahr unter einem ungünstigen Stern zu stehen begann.

Mit den negativen Erfahrungen aus der verkorksten Entwicklung des internationalen Armbrustsports im Marschgepäck – man denke nur an die vom ehemaligen Bundessportleiter mitbewirkte Führungsmisere in der IAU – hätte es nicht passieren dürfen, dass der nachfolgend in Steyr amtierende Bundessportleiter seine Sparte in finanzielle Not manövriert. Das Jahresbudget 2005 um mehr als 50 Prozent zu überziehen und im darauf folgenden Jahr 2006 mit einem in den Augen der ÖSB-Führung vermeidbaren Finanzloch gleichen Ausmaßes die Teilnahme einer repräsentativen WM-Mannschaft aufs Spiel zu setzen, lässt den Verdacht auf Kalkül aufkommen. Ein Kalkül, bei dem die übergeordnete Führung im ÖSB angesichts der im eigenen Land nahenden Weltmeisterschaft unter Zugzwang geraten sollte. So nach dem Motto: „Das schau ich mir an, ob wir das Geld für die WM nicht bekommen!“ Dass sich der ÖSB auf diese Art nicht in die Knie zwingen lassen wollte, ist wegen Beispielsfolgerungen leicht verständlich. Dagegen unverständlich ist die Reaktion des Bundessportleiters Armbrust, mit einem heroisch anmutenden Hilferuf die Medien (siehe Seite 14) auf den Plan zu rufen.

Man darf gespannt sein, wie die solcherart angepatzte ÖSB-Führung darauf reagieren und ob der Bundessportleiter die vorangegangene Rücktrittsdrohung in die Tat umsetzen wird. Mit dem Beifall seiner Schützlinge aus dem Armbrustkader wird ihm das möglicherweise leichter fallen. Der Schießsport als solcher hat aber ohne Rücksicht darauf einen Imageschaden erlitten.

Von unangenehmer Begleitmusik beeinträchtigt waren nicht zuletzt auch die schönen sportlichen Erfolge der österreichischen Armbrustschützen. Sie würden vielleicht noch besser dastehen, wenn man zum Beispiel der erfolgreichsten WM-Nation Russland gefolgt wäre. Dort wurden den Weltklasseschützen Aleynikov, Khadzhibekov und Shedrin zeitraubende Qualifikationen erspart. In Österreich dagegen wurde den Gewehr-Weltklasseschützen Mario Knögler, Christian Planer und Thomas Farnik nicht so viel Vertrauensvorschuss gewährt und mit Qualifikationserfordernissen für die angestammten Armbrustschützen eine Art „geschützter Bereich“ aufgebaut. Aus deren Sicht mag das verständlich sein, aus der Gesamtsicht des österreichischen Schießsports jedoch nicht.

Auch hier wird die Führungsetage im Österreichischen Schützenbund mehr Leadership zeigen müssen.

heb