Ausgabe 0803
Weltrekorde, Medaillen
und ein olympischer Quotenplatz

Da lacht das Herz des österreichischen Schießsports, denn was wollte es im Augenblick noch mehr.

Gleich zum Auftakt mit dem 50-m-Gewehr: eingebettet in den unüberbietbaren (eingestellten) Weltrekord 60 Liegend von Wolfram Waibel jun. und den fantastischen 60-Liegend-Weltrekord der Mannschaft Wolfram Waibel jun., Christian Planer und Mario Knögler: der vierte österreichische Quotenplatz für die Olympischen Spiele 2004 in Athen durch Christian Planer als Achter im Liegendfinale.

Ergebnisse, die für sich allein schon ausgereicht hätten, zufrieden zu sein. Doch Österreichs 50-m-Gewehrtrio Mario Knögler, Christian Planer und Thomas Farnik wollte sich noch nicht begnügen und stellte sich bei 3x40 mit einem nicht minder fantastischen Mannschafts-Weltrekord auf die oberste Stufe des Siegerpodests. Nicht auszudenken, wenn der in der Endabrechnung auf dem fünften Platz landende Mario Knögler hier mit einem etwas besseren, aber von ihm durchaus erwartbaren Finale von 97,9 noch den Einzeltitel errungen hätte. Der Rest des europäischen Gewehrsports wäre wohl vollends perplex gewesen.

Dass Österreich in den Großkaliber-Disziplinen traditionell Weltklasse darstellt, haben in der Vergangenheit hauptsächlich die Pistolenschützen bewiesen. In Pilsen wollten aber auch die Gewehrschützen zeigen, was sie können.

Nach seinem achten Finaleplatz auf der „olympischen“ Liegendpritsche gelang Christian Planer im Einzelbewerb auf die 300-m-Distanz sogar der Aufstieg auf das Silberpodest. Und mit einer Bronzemedaille stellte Thomas Farnik seine Stärke in den Stellungsbewerben auch im Bewerb 300 m 3x20 unter Beweis.

Wie überhaupt der 300-m-Bereich auf ein großes Reservoir an starken Schützen zurückgreifen kann, wo in jeder Mannschaftswertung eine Medaille zu Buche steht: Thomas Farnik, Dieter Grabner und Roland Raab mit Silber 3x20, Christian Planer, Roland Raab und Dieter Grabner mit Bronze 3x40 sowie Christian Planer, Hannes Gufler und Dieter Grabner mit Bronze 60 Liegend.

Ganz zurückstecken wollten auch die Pistolenschützen nicht. Nach dem zuletzt erzielten Weltmeistertitel holte sich in Pilsen die um Karl Pavlis dezimierte Standardpistolen-Mannschaft mit Giovanni Bossi, Heinz Költringer und Norbert Artner die Bronzemedaille.

Wer bis zum vorangegangenen Absatz mitgezählt hat, dem muss wohl aufgefallen sein, dass der Name Christian Planer im Zusammenhang mit Medaillen und einem olympischen Quotenplatz gleich sechsmal vorkommt. Die Europameisterschaft in Pilsen war somit auch jenes Ereignis, bei dem der Stern dieses vielfach unterschätzten Gewehrschützen vollends aufgegangen ist. Ein starkes Aufleuchten gab es ja bereits beim dritten Weltcuprang 60 Liegend in Südkorea.

Dort hat sich auch Thomas Farnik seiner Klasse erinnert und mit ÖRekorden das Dreistellungsmatch gewonnen.

Die großartigen sportlichen Erfolge in Pilsen und in Südkorea sollten wir also einen angemessenen Augenblick lang genießen und die Freude darüber nicht durch Ereignisse organisatorischer Art trüben lassen, die es vor der Europameisterschaft im Schießsport gegeben hat. Es wird noch genügend Zeit und Gelegenheit geben (müssen), darüber zu reden und auch zu schreiben.

heb