Ausgabe 0802
Erwartete, überraschende und ausgebliebene Erfolge bei der Weltmeisterschaft in Lahti

Mit den Erfolgen unserer Sportschützinnen und Sportschützen bei der ISSF-Weltmeisterschaft im Lahti/Hollola rundum zufrieden ist der Österreichische Schützenbund. Das kann man jedenfalls dem Bericht des Generalsekretärs entnehmen, der die österreichische Delegation in Finnland angeführt hat und der in den Annalen des ÖSB bis in das Gründungsjahr der heutigen ISSF im Jahre 1907 zurück blättern musste, um auf die mit dem 300-Meter-Freigewehr stehend erzielte, letzte österreichische Goldmedaille des Ennser Büchsenmachers Karl Wertgarner zu stoßen.

Die Zufriedenheit ist sicherlich nicht fehl am Platz, lässt man auch über die offen gebliebenen Erwartungen und Hoffnungen reden.

Die österreichischen Erwartungen voll erfüllt haben die Feuerpistolenschützen bei ihrem Antreten im Bewerb Standardpistole. Giovanni Bossi, Karl Pavlis und Heinz Költringer, die alle dem österreichischen Heereskader angehören, wurden Mannschaft-Weltmeister und Bossi brachte zur Abrundung des Erfolges noch Bronze in der Einzelwertung mit nach Hause. - Dieses Kunststück hat ihnen die Österreichische Schützenzeitung übrigens in der Juliausgabe, also noch vor dem WM-Auftritt zugetraut.

Erwartet haben wir, zumal in den olympischen Gewehr- Disziplinen, auch von den Männern einiges: Mario Knögler von sich selbst vielleicht etwas mehr, als die hervorragenden Platzierungen in 60 Liegend (4.) und 3 x 40 ( 7. ), doch haben sie einmal mehr seine schon lange andauernde Spitzenstellung im österreichischen Schießsport bestätigt.

Angenehm in Erinnerung gerufen hat sich Wolfram Waibel jun. mit seinem neunten Luftgewehr-Rang. Nicht nur dass der zweifache Olympiamedaillengewinner von Atlanta wieder einmal in der absoluten Weltspitze zu finden war, hat er für Österreich nach Mario Knögler den zweiten Olympia-Quotenplatz für Athen erkämpft. - Und damit für den ÖSB die Frage der Aufstellung für die Weltcups im nächsten Jahr möglicher Weise um einiges schwieriger gemacht, wenn man dort der Praxis nach der Erringung des ersten Quotenplatzes durch Mario Knögler folgt.

(Noch) Nicht erwartet hat zumindest die Österreichische Schützenzeitung die Bronzemedaille von Christina Deiser. Die Kärntner Juniorin hat vor der WM mit dem Luftgewehr wohl hohe Ergebnisse erzielt, doch bedeutet ihr ringgleich mit der Weltmeisterin erzielter dritter Platz eine angenehme Überraschung und ein Versprechen für die Zukunft.

Ein Versprechen für die Zukunft ist auch der oberösterreichische Junior Stefan Raser. Wenngleich er mit seinem vierten Rang Luftgewehr die Bronzemedaille nur knapp verfehlt hat, scheint sein Potential dazu auszureichen, auch in die absolute Spitze der Männer hinein zu wachsen. Voraussetzung hiefür wird aber sein, dass in seiner Entwicklung nicht zu viele Köche den Brei verderben.

Freuen darf man sich auch über den zehnten Platz von Wolfgang Psenner, Vorarlberg, im 5o Meter-Pistolenbewerb, in dem er bis zur Hälfte noch ganz vorne mitgehalten hat und nicht zuletzt auch über die jeweils vierten Mannschaftsränge des Luftgewehr-Nachwuchses.

Womit zum Schluss die nicht erfüllte Hoffnung auf einen Medaillenrang der absolute Weltklasse darstellenden Luftgewehrmannschaft der Männer erwähnt werden muss. Wofram Waibel jun. hat seinen Teil zwar mit eingebracht, doch gesamt gesehen dürfte der mannschaftsintern vorhandene, aber nicht notwendige Erfolgsdruck und der Umstand, dass mit den voran gegangenen Bewerben 60 Liegend und 3 x 40 ein strapaziöses Programm zu erledigen war, ein wesentlicher Faktor für das Ausbleiben von LG-Medaillen gewesen sein.

Für die WM- Teilnehmer gab es am 20. Juli im Salzburger Gasthof "Hirschen" einen vom ÖSB organisierten Empfang mit einem Pressegespräch, bei dem nicht zuletzt auch die medial begleiteten Bestrebungen einer politischen Partei erörtert wurden, die Teilname der Salzburger Jugend am Schießsport Beschränkungen zu unterwerfen. Über allfällige Auswirkungen dieses Meinungsaustausches wird die ÖSZ in der Septemberausgabe berichten.

heb