Ausgabe 0607
Doping im Schisport,
Doping im Radsport, Doping …

Schlimme Sachen sind es, die seit einiger Zeit den Sportalltag beschäftigen.

Doping im österreichischen Schisport auf olympischer Ebene mit nachhinkenden Geständnissen, Doping im internationalen Radsport mit auffallender Geständnisfreudigkeit, Doping, von dem das Sportschießen hoffentlich verschont bleiben wird.

Wenn man sich vor Augen führt, was sich trotz der Blutbeutelaffäre von Salt Lake City vier Jahre später bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin abgespielt hat, muss man sich fragen, ob die überführten Täter neben ihrem unbändigen Erfolgswillen auch noch etwas besessen haben, was Sportler ganz allgemein auszeichnet, nämlich Charakter.

Bei allem Fortschritt, den Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft in den vergangenen Jahren zur Optimierung sportlicher Erfolge gemacht haben, scheint die Vermittlung von ethischen Grundsätzen zu kurz gekommen zu sein. Wie sonst lässt es sich erklären, dass sowohl Sportler als auch Funktionäre die österreichische Bewerbung um die Winterspiele in Salzburg aufs Spiel setzen. Mit einem Jahrzehnte dauernden Imageschaden und unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen für das Tourismusland Österreich.

Ganz bewusst sollen an dieser Stelle Themen wie Unschuldsvermutung, Vorverurteilung und Rechtsstaatlichkeit ausgespart bleiben. Wer die Vorgangsweise des IOC/ÖOC beurteilen will, muss bedenken, dass es sich hier um eine Institution handelt, die bei der Zulassung von Sportlern/Funktionären autark ist und vollkommene Entscheidungsfreiheit besitzt. Eine Freiheit, die in der Vergangenheit beispielsweise dazu gereicht hat, Karl Schranz den Olympiasieg im Slalom ab- und dem für das Veranstalterland Frankreich antretenden, ursprünglich Zweitplatzierten zuzuerkennen.

Leider reichen Strafandrohungen als präventiv gedachte Maßnahmen auch im Sport nicht aus, verpönte Handlungen zu unterlassen. So wie ein Einbruchsdiebstahl, ein Banküberfall, ja selbst ein Mord in der Regel im Vertrauen darauf begangen wird, nicht erwischt zu werden.

Den Verantwortlichen des österreichischen Schießsports kann man nur raten, mit den Leistungsträgern, Funktionären und mit dem Nachwuchs in nachvollziehbarer Art Vereinbarungen zu treffen, aus denen die Folgen von Verstößen klar verständlich hervorgehen. Folgen bis hin zum Ausschluss müssten selbstverständlich auch dann Platz greifen, wenn es sich nicht um Angehörige eines Olympiakaders handelt.

Nur so und ohne augenzwinkerndes Wegschauen/Zuschauen wird es möglich sein, negative Schlagzeilen zu vermeiden, wie sie derzeit der österreichische Schisport liefert.

heb