Ausgabe 0606
Der Schießsport
und das liebe Geld

Teil 1

Geld hat man nie genug, neuerdings auch im österreichischen Schießsport zu wenig davon.

Nicht nur unter diesem Gesichtspunkt sind die starken Worte zu sehen, mit denen sich in den vergangenen Tagen die Bundessportleiter Armbrust und Feuerpistole in der Führungsetage des Österreichischen Schützenbundes wortstark bemerkbar gemacht haben.

Der Bundessportleiter Armbrust sieht die Teilnahme an dem im Juli in der Schweiz stattfindenden Europacup aus finanziellen Gründen gefährdet und will, dass das Geld des ÖSB nicht nur in die heurige Armbrust-Weltmeisterschaft in Steyr (Oberösterreich) fließt. Es geht um einen Vorschussbetrag von rund € 6000,–, mit dem die ihm sportlich notwendig erscheinende Teilnahme am Europacup gesichert wäre. Und darüber hinaus um ein finanzielles Missverhältnis zu den olympischen Schießdisziplinen, wo seiner Meinung nach Geld großzügig locker gemacht wird und sich zu viel um die „Heiligen Drei Könige“ (Nr. 2) dreht.

Innerhalb der Sparte des olympischen Sportschießens ein Haus daneben fühlt sich der Bundessportleiter Feuerpistole ungleich behandelt. Im Verhältnis zu den internationalen Gewehrbewerben werden ihm vom Österreichischen Schützenbund zu wenig Kandidatinnen/Kandidaten aus dem Pistolenbereich entsendet. Und zwar in einem Ausmaß, dass sich auch für ihn die Vertrauensfrage zu stellen beginnt.

Dieser Frust entlädt sich vor dem Szenario der leider schmäler gewordenen Kassa des Österreichischen Schützenbundes. Dort hat man es in der Vorgängerperiode entweder verabsäumt oder zumindest nicht zu nutzen gewusst, die von der BSO angebotenen Förderungen auf die richtige Art in Anspruch zu nehmen.

Es mag schon sein, dass man sich im Umgang mit der vor kurzem eingeführten, auf Projekte bezogenen Unterstützung des Sports auch andernorts noch nicht genau auskennt, doch beim Geldgeber nachfragen, was man wie zu beantragen hat, muss schon derjenige, der etwas haben will. In der Vorvorgängerzeit hat an solchen Besprechungen zum Nutzen des Schießsports der damalige Sportdirektor des ÖSB teilgenommen, zwischen 2003 und 2005 scheint man aber geglaubt zu haben, dass alles locker gehen werde und hat sich Nachfragen bei der BSO offenbar erspart. Wie man sieht, zum Krämpfe auslösenden Nachteil unseres Sports.

Die Finanzzuständigen im Österreichischen Schützenbund werden sich also bemühen müssen, die in erster Linie aus der Vergangenheit herrührenden Nachteile in Grenzen zu halten. Es ist ihnen zu wünschen, dass sie jene Möglichkeiten realisieren können, die der Sportstaatssekretär bei der Tagung von Sports Media Austria im Zusammenhang mit der besonderen Bundessport-Förderung (siehe Seite 28) aufgezeigt hat.

Mit dem Wind der Armbrust- und der Feuerpistolenschützen im Rücken – und unter Weglassung von ultimativen Nebengeräuschen – sollte ihnen das gelingen.

(Teil 2 des Themas „Der Schießsport und das liebe Geld“ in einer der nächsten Ausgaben)

heb